BUND UND PRO ELBE PRESSEMITTEILUNG
Magdeburger Professoren kritisieren Elbe-Baumaßnahmen
10. Oktober 2006
Schotterberge unterhalb des Herrenkrug-Parks
Die derzeit in Magdeburg-Herrenkrug laufenden Elbe-Baumaßnamen werden von den
Magdeburger Professoren Prof. Dr. Volker Lüderitz (Dekan der Fachhochschule Magdeburg-Stendal)
und Prof. Dr. Robert Jüpner (Direktor des Institutes für Wasserwirtschaft und Ökotechnologie)
kritisch hinterfragt.
Die Wissenschaftler gingen den Fragen nach, ob diese Maßnahmen sinnvoll seien
und mit dem Charakter der Flusslandschaft als europäisches Natura-2000-Schutzgebiet (FFH-Gebiet),
als "natürliches Gewässer" nach der EG-Wasserrahmen-Richtlinie und als UNESCO-Biosphärenreservat
vereinbar sind. Die Antwort lautete eindeutig: "Nein".
Nach einer Vor-Ort-Besichtigung kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis,
dass die geltenden neuen Europäischen Richtlinien unzureichend beachtet würden.
Prof. Dr. Jüpner: "Es überrascht mich, wie derartige Baumaßnahmen in einem
mehrfach geschützten Gebiet ohne Prüfungen und ohne Öffentlichkeitsbeteiligung
durchgeführt werden."
Prof. Lüderitz: "Es besteht die Gefahr, dass diese Flussbetteinengungen
die schädliche Tiefenerosion weiter verschärfen können. Für den Naturraum wäre
diese Entwicklung negativ zu beurteilen. Vor allem die Baumbestände, aber auch
die Auengewässer könnten unter der nachfolgenden Austrocknung leiden."
Hintergrund:
Unterhalb des Magdeburger Herrenkrug-Parks werden derzeit große Mengen
an Schottersteinen verkippt, darunter schwermetallhaltige Schlackesteine.
Diese sind Abfall aus einer Hamburger Kupferverhüttung, deren Einsatz im Biosphärenreservat
"Mittelelbe" wegen möglicher giftiger Wirkungen bislang untersagt war.
Die Baumaßnahmen selbst bedürfen nach geltendem EU-Recht einer vorherigen
Verträglichkeitsprüfung, um nachteilige Folgen auf Pflanzen, Tiere und Lebensräume auszuschließen.
Da diese Prüfungen vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg abgelehnt werden,
läuft durch die EU-Kommission in Brüssel ein Vertragsverletzungsverfahren gegen
die Bundesrepublik Deutschland.
Besonders pikant ist, dass die Maßnahmen mit der Begründung durchgeführt werden,
die Schiffbarkeit der Elbe zu verbessern. Nach den vorliegenden amtlichen Unterlagen
bestehen jedoch in dem betreffenden Abschnitt keine Behinderungen der Schifffahrt
oder gar Untiefen, die durch die Baumaßnahmen beseitigt werden müssten.
Rückfragen:
Dr. E. Paul Dörfler, BUND-Elbeprojekt, Tel.: 039244 / 290
Prof. Dr. Volker Lüderitz, FH Magdeburg-Stendal Tel.: 0391 / 8864357
Prof. Robert Jüpner, FH Magdeburg-Stendal Tel.: 0391 / 8864429
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