BUND-DIALOG IM BOOT
Politiker und Wissenschaftler sprachen sich klar gegen die Baumaßnahmen an der Elbe aus
Magdeburg, 08. Juli 2002 Die einwöchige Bootsfahrt "Dialog im Boot" ging gestern in Magdeburg zu Ende.
"Mit insgesamt 150 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
war die Tour ein voller Erfolg," konstatierte Ernst Paul Dörfler vom
BUND - Elbeprojekt.
Die Politiker aller im Boot vertretenen Parteien (SPD, CDU, PDS und
Bündnis 90/Die Grünen) bezweifelten den Sinn und die Wirtschaftlichkeit
der Baumaßnahmen am Elbstrom, die vor allem zwischen Wittenberg, Dessau
und Schönebeck beobachtet wurden.
Der Verkehrswissenschaftler Andreas Pastowski vom Wuppertal - Institut
stellte infrage, ob die Transportmengen weitere Investitionen in die
"Wasserstraße Elbe" überhaupt rechtfertigten.
Der Wirtschaftswissenschaftler Ulrich Petschow vom Institut für
ökologische Wirtschaftsforschung Berlin kam zu dem Schluss, dass selbst
bei Vollendung der bis 2008 vorgesehenen Baumaßnahmen es zu keiner
nennenswerten Verlagerung des Güterverkehrs auf die Elbe kommen würde.
Dr. Alfons Henrichfreise vom Bundesamt für Naturschutz Bonn
prognostizierte als unausweichliche Konsequenz der teuren
Strombaumaßnahmen den Staustufenbau in der Elbe - verbunden mit größeren
Schäden als am Rhein (1996 und 2 000 veröffentlicht). Die ökologisch
schädlichsten Strombauwerke müssten daher zurückgebaut werden.
Vor allem die Vertreter der Tourismusbranche Sachsens und
Sachsen-Anhalts erkennen in der relativen Naturbelassenheit einen
Standortvorteil für den Elbtourismus und wünschten sich eine engere
Zusammenarbeit mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz. Schon jetzt
verdienen in der wachsenden Tourismusbranche entlang der Elbe zehnmal
mehr Menschen ihr Geld im Vergleich zu den Beschäftigten in der
schrumpfenden Güterschifffahrt. Selbst Kreuzfahrtschiffe aus der Schweiz
und Frankreich haben inzwischen die Elbe mit ihren hellen Sandstränden
und grünen Auen als Tourismusmagneten entdeckt.
Eine Gefährdung dieses naturnahen Wirtschaftspotentials dürfe auf keinen
Fall hingenommen werden, so der BUND.
Ein sofortiger Stopp und eine unabhängige Überprüfung der Baumaßnahmen
sei deshalb unerlässlich und ein Akt der politischen Vernunft.
Auf Grund der großen Resonanz will der BUND den "Dialog im Boot"
fortsetzen.
Rast am Sandstrand von Prettin
Endstation Magdeburg
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