SAALE-ELBE-KANAL WIRD ENTSCHIEDEN ABGELEHNT
Magdeburg, der 4.3.2003
BUND-NABU-Presseinformation
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund (NABU) lehnen den vom Land Sachsen-Anhalt geforderten Bau eines Saale - Elbe - Kanals mit aller Entschiedenheit ab. Dieser Kanalbau wäre ein Rückfall in die alte Flusspolitik. Ein verstärkter Ausbaudruck auf die Elbe wäre zudem die zwingende Folge, urteilen beide Umweltverbände.
"Nach dem Elbe-Hochwasser hat die Bundesregierung mit ihrem 5-Punkte-Plan und dem Koalitionsvertrag eine neue Flusspolitik vorgezeichnet. Danach sollte auch der Bau der Saale-Staustufe bei Klein Rosenburg nicht mehr erfolgen. Der bereits in den 90er Jahren aus Kostengründen abgelehnte Kanalplan ist offenbar nun der verzweifelte Versuch, den politischen Willen der Bundesregierung zu umschiffen, koste es was es wolle. Das darf nicht durchkommen. Vielmehr müssen jetzt endlich Geld und Verwaltungskapazitäten zur Umsetzung der neuen Flusspolitik bereitgestellt werden", meint NABU-Flussexperte Rocco Buchta.
"Deutschland braucht dringend die neue Flusspolitik, die den Schutz von Mensch und Natur in den Mittelpunkt rückt. Mit der Kanalisierung der Flüsse nach der Salami-Taktik muss endlich Schluss gemacht werden", fordert Ernst Paul Dörfler, BUND Elbe-Experte. "Sollte der Saale - Elbe - Kanal kommen, werden anschließend die Pläne des Hamburger Vereins zur Förderung des Elbstromgebietes aus der Schublade gezogen: Darin wird eine ganzjährige Schiffbarkeit der Elbe mit Großmotorschiffen gefordert, die den Bau von 12 Staustufen und mehreren Seitenkanälen erforderlich machen würden".
Der geplante Saale-Elbe-Kanal soll die kanalisierte Saale (2,50 garantierte Tauchtiefe) mit der nicht kanalisierten Elbe (1,20m garantierte Tauchtiefe) verbinden. Da die Saale eine Sackgasse ist, müssen die Schiffe zwangsläufig durch die Elbe. Zwar werden die Schiffe auf der Saale 1350 Tonnen theoretisch laden können, aber die Schiffe auf der Elbe haben in der Realität nur durchschnittlich 400 Tonnen geladen (Quelle: WSA Magdeburg). Die Elbe, das ist die Zusage von Minister Stolpe, solle nicht weiter ausgebaut werden.
Volkswirtschaftlich ist der über 100 Mio. Euro teure Saale - Elbe - Kanal die Fortsetzung einer gigantischen Verschwendung von Steuergeldern, die mit dem Bau des Hafens Halle mit 30 Mio. Euro begonnen hat. Derzeit fährt pro Woche höchstens noch ein Schiff in den Hafen ein, früher fuhren auf dem gleichen Fluss immerhin täglich mehrere Kähne.
Das Land Sachsen-Anhalt treibt mit völlig unrealistischen Wachstumsraten von 10 000% (Steigerung der Transportmengen von derzeit 0,026 Mio. t/a auf 2,5 Mio. t/a nach Fertigstellung des Kanals) die Planung des Kanals voran. Die Kosten trägt aber nicht das Land, sondern zu 100% der Bund und zuletzt der Steuerzahler.
|