UMWELTMINISTER KRITISIERT PLANUNG FÜR SAALE-KANAL
Trittin verärgert über Stolpes Ja zu Saale-Planung
17. September 2004
MDR.DE: Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat die Planungen
für einen 85 Millionen Euro teuren Saale-Kanal bei Schönebeck kritisiert. In einem
Brief an Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) zeigt er sich irritiert
darüber, dass das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt in Magdeburg bereits
ein Raumordnungsverfahren für das umstrittene Ausbau-Projekt beantragt hat.
Diverse Fragen des Naturschutzes und der Größe des Kanals seien noch ungeklärt,
heißt es in dem Brief. Auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei nicht überzeugend.
Trittin erinnerte daran, dass im Bundesverkehrswegeplan 2003 das Projekt zur
Verbesserung der Schifffahrt unter einen Vorbehalt gestellt worden sei.
Vor der Einleitung eines Raumordnungsverfahrens müsse also zwischen seinem und
dem Stolpe-Ressort geklärt werden, ob Risiken für die Umwelt beherrschbar seien.
Andernfalls sei das Verfahren nicht gerechtfertigt, schrieb Trittin. Am Rande
eines Termins in Dessau äußerte er auch Zweifel an der Finanzierbarkeit. Einem
privaten Radio-Sender sagte der Minister, derzeit wisse niemand, ob für den
Kanal vor 2015 Geld da sein werde, weil Projekte im Wasserstraßen-Bau "zu
400 Prozent überplant sind".
CDU gegen Grüne
Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, André Schröder,
reagierte "mit Befremden". Der Kanal sei im neuen Verkehrswegeplan vorgesehen,
den das Bundeskabinett beschlossen habe. Auch eine geforderte aktualisierte
Berechnung zur Wirtschaftlichkeit liege nun vor. "Wenn der Umweltminister jetzt
gegen eigene Regierungsbeschlüsse wettert, kann das nur als durchsichtige
Klientelpolitik interpretiert werden", sagte Schröder.
Die Landeschefin der Grünen, Ines Brock, warf ihm unterdessen im Gegenzug
"komprimierte Ahnungslosigkeit" vor. Schröder lasse außen vor, dass das Projekt
unter Prüfungsvorbehalt stehe. Auch bleibe die Berechnung der Wirtschaftlichkeit
der Öffentlichkeit bislang vorenthalten.
Umweltschützer skeptisch
Das Projekt sieht vor, durch einen 7,5 Kilometer langen Kanal am Zusammenfluss
von Saale und Elbe die Schiffbarkeit der Saale zu verbessern. Umweltschützer
befürchten Schäden für die Natur und sehen keinen ökonomischen Nutzen. Sie
glauben auch, dass nach dem Kanalbau auch im Bereich der Elbe wieder gebaut wird.
Anfang September hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg, dessen
Dienstherr Stolpe ist, beim Land das Raumordnungsverfahren beantragt, in dessen
Verlauf ökonomische wirtschaftliche, städtebauliche und ökologische Aspekte
untersucht werden. Die Entscheidung über den Kanalbau fällt allerdings der Bund.
Nach Einschätzung von Landes-Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) könnte
frühestens 2008 Baubeginn für den Saale-Kanal sein.
MDR.DE Nachrichten Sachsen-Anhalt
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