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Rübeländer Weg 10
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elbe@domfelsen.de
PRO ELBE
 
AUS DEM HOCHWASSER LERNEN: RÜCKBAU STATT AUSBAU

Aus der Hochwasserkatastrophe an der Elbe leiten sich eindeutige Forderungen ab

  • Sofortiger Stopp der Strombaumaßnahmen an der Elbe und der Staustufen- und Begradigungspläne an der Saale
  • Nicht die Begradigung, sondern die Entgradigung der Flüsse ist nötig
  • Nicht die Beschleunigung, sondern die Entschleunigung ist erforderlich.
  • Statt Ausbau muss der Rückbau/Umbau der schädlichsten Strombauwerke erfolgen
  • Nicht die Einengung, sondern die Aufweitung der Flüsse und ihrer Auen können uns vor weiteren Katastrophen schützen, z.B. durch Deichrückverlegung
  • Erstellung eines Gesamtkonzeptes für die Elbe durch unabhängige Gutachter
  • Umverteilung der Gelder vom Flussausbau zum vorsorgenden Hochwasserschutz

Hintergrund

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung - darunter auch die WSD Ost mit ihren 3.000 Mitarbeitern - hat im Kern nur eine Aufgabe: Wasserstraßen auszubauen und zu unterhalten, um die "Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt" zu gewährleisten. Ihr oberster Chef ist der Bundesverkehrsminister.

Die Schiffe sollen nicht anecken und nicht auf Grund laufen - und die sollen viele Tonnen laden können, möglichst das ganze Jahr über, ohne Pause.

Aber ein Fluss wie die Elbe spielt da nicht immer mit. Die hat nämlich manchmal Hochwasser und noch öfter Niedrigwasser. Beides ist für einen wirtschaftlichen Güterverkehr schlecht. Besonders die Niedrigwasserzeiten, die meist in den Sommer- und Herbstmonaten auftreten, sind ein Ärgernis für die Schifffahrt - nicht für die Natur

  • die läuft erst mal leer, holt im wahrsten Sinne Luft, schafft
  • Stauraum für das nächste Hochwasser...

    Gegen das Niedrigwasser richten sich aber die Strombaumassnahmen. Für insgesamt 250 Mio. Euro soll die Elbe schifffahrtsgerechter hergerichtet werden.

    Wie sieht das aus?

    Erst mal muss Schotter in den Fluss gekippt werden. Jedes Jahr über 100 000 Tonnen. Der Fluss, der von Natur aus ein breites Sandbett geschenkt bekam, bekommt ein Bett aus schweren Schottersteinen. Sein Querschnitt soll eingeengt werden. Angefangen hat das schon vor über 100 Jahren. Damals fuhren noch viele Güterschiffe, die heute schon Seltenheitswert haben. Vor allem in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren die Wasserbauer besonders fleißig. Und seit Mitte der 90er Jahre ebenso. Diese Steinschüttungen an den Ufern zwängen den Fluss ein, machen den Strom schmaler und - ganz besonders wichtig - machen ihn schneller. Das ist gewollt. Ein schnellerer Fluß gräbt sich in sein Sandbett ein, er tieft sich ein. Die Unterwasserhügel, genannt Sand- und Kiesbänke - werden vom schneller gemachten Fluss abgetragen, beseitigt. Dann gibt es neben den Unterwasserhügeln auch noch Unterwassertäler. Auch die bleiben nicht das, was sie sind. Sie werden von den Wasserbauern mit Schottersteinen aufgefüllt. Das nennt man Kolkverfüllung. Die Unterwasserlandschaft aus Bergen und Tälern wird plattgemacht. Und das hat Folgen.

    An den Ufern verläuft es ähnlich. Krumme Ufer werden schön gerade gemacht. Das sind die Leitwerke und Deckwerke, auch aus vielen großen Schottersteinen - allein bei Gallin wurden 30 000 Tonnen in die Elbe gekippt, ähnlich bei Coswig, Dessau, Aken...

    Das Ergebnis

    Die Flussufer werden schön gerade, Strömungshindernisse werden beseitigt. Das ist das beabsichtigte Ziel: die Verstetigung und Vergleichmäßigung des Wasserabflusses. Aber: das Wasser wird dadurch auch schneller, der Fluss wird mehr und mehr zur Schnellstraße. Die natürlichen Bremsen - die Unebenheiten unter Wasser sind beseitigt. Und die geglätteten Ufer wirken wie Schmierseife auf einer Autobahn.

    Die Folgen

    Erstens tieft der Fluss sich immer mehr in sein Sandbett ein - inzwischen schon 1-2 Meter in den letzten hundert Jahren. Dadurch werden immer größere Wassermengen auf der Schnellstraße Fluss transportiert. Das Wasser ufert immer später aus. Das klingt scheinbar gut, ist es aber nicht. Denn die großen, schnellen Wassermengen sind auch gefährlich, nämlich dort, wo es eng wird, in besiedelten Gebieten. Dort kommt die Hochwasserwelle schneller und höher an und tritt mit immer fataleren Folgen über die Ufer.

    Schon seit langem fordern Wissenschaftler den langsamen, nicht den schnellen Abfluss.

    Langsamer geht es in den Auen zu, den natürlichen Überflutungsräumen. Die Auen hat die Natur erfunden, um große Wassermengen aufzunehmen, zu speichern. Die Auen sind quasi ein kostenloses Zwischenlager für überschüssige Wassermengen. Das Wasser soll in die Auen, nicht in die Keller und Wohnzimmer fließen. Doch diese Auen sind überall knapp geworden. Nur noch 15% der ehemaligen Auen können vom Fluss her überflutet werden - solange kein Damm bricht.

    Eine Alternative

    Auenrenaturierung durch Deichrückverlegung: die toten Auen müssen wieder für das Hochwasser zugänglich gemacht werden. Das könnte Hochwasserprobleme entschärfen helfen. Dafür würden z.B. in Sachsen-Anhalt zweihundert Mio. Euro gebraucht werden. Dafür fehlt allerdings das Geld in den Landeskassen. Die Bundeskasse scheint aber genug davon zu haben - für den Flussausbau zumindest, der soll weitergehen, das will nicht nur der SPD -Verkehrsminister, dass will auch die CDU und FDP auf Bundesebene.

    Die Strombaumaßnahmen an der Elbe sind nur das Vorspiel für einen weiteren Ausbau der Elbe zur Schnellstraße.


    Heute Schotter - morgen Staustufen

    Die Schotterung der Elbe wird kein Schiff mehr auf den Fluss bringen, sie wird immer noch nicht tief genug sein mit 1,60m Fahrrinnentiefe bei Niedrigwasser. Auch wenn es heute noch bestritten wird - Staustufen sind früher oder später die Folge. Wenn schon 300 Mio. Euro in die Häfen und über 200 Mio. Euro in die Wassertrasse Elbe investiert wurden, für die Schifffahrt aber immer noch keine wirtschaftlichen Bedingungen vorhanden sind - wird der Ausbau weitergehen - wie es überall auch in den alten Bundesländern schon gelaufen ist - eine halbe Milliarde Mark will man nicht umsonst investiert haben - Sachzwang nennt man sowas. Außerdem muss auch die von den Wasserbauern selbst verursachte Eintiefung des Flusses gestoppt werden - mit dem Bau von Staustufen..

    Politisch können sich die Flussausbauer einer starken Lobby erfreuen. Da gibt es auch den verkehrspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dirk Fischer aus Hamburg, der den "normschiffgerechten Ausbau der Elbe" propagiert.

    Und aus Hamburg wurden auch schon entsprechend weitergehende Pläne vorgelegt, von Verein zur Förderung des Elbstromgebietes mit (nicht zufälligem) Sitz in der Handelskammer Hamburg. Sie wünschen sich eine bessere "Hinterlandanbindung" und schlagen daher den Bau von 12 Staustufen vor.

    Das alles ist natürlich noch kein offizieller Plan. Aber wie man Staustufen bauen kann, soll schon einmal an der Saale, kurz vor ihrer Mündung in die Elbe, geprobt werden. Hier gibt es noch die größten Auenwälder Mitteleuropas, hervorragende Wasserspeicher, wenn es mal hoch her geht. Seit über 10 Jahren laufen die Ausbau-Planungen, die auf die Pläne der 30er Jahre zurückgehen. 100 Mio. Euro soll es kosten.

    Die letzen Saale - Kilometer sind nämlich noch sehr krumm und im Sommer das Fahrwasser flach. Hier soll die Saale begradigt werden. Und eine Staustufe fehlt auch noch, ruft laut das Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg - um den Wasserstand dauerhaft anzuheben. Niedrigwasser soll es dann in der Saale nicht mehr geben. 2,50 m tief soll die Saale dann ganzjährig sein. Nur zu dumm, die Elbe, in die die Saale mündet, hat im Sommer und Herbst nur anderthalb Meter Tiefe. Da kommen die großen Europaschiffe dann auch nicht weiter. Nur gut, dass die Freunde aus Hamburg schon mal laut vorgedacht haben, mit den Staustufen an der Elbe..

    Und was hat das mit Hochwasser zu tun?

    Jede Begradigung des Flusslaufes bescheunigt das Wasser, führt zu schnelleren und höheren Hochwasserspitzen. Da können sich alle Städte unterhalb der Saalemündung, z.B. Schönebeck und Magdeburg, heute schon freuen, das sie bald noch öfter schön dicht am Wasser liegen werden. Die tschechische Elbe - Labe genannt - ist schon mit 22 Staustufen ausgebaut, 2 weitere sind bis zur deutschen Grenze geplant, auch die Moldau besteht aus einer Kette von Stauseen. Eigentlich sollte das der besseren Schiffbarkeit und dem Hochwasserschutz dienen. Klappt aber leider nicht. Wenn die Täler und Auen schon mit Wasser vollgestaut sind, schon bevor es regnet, fehlt bei Starkniederschlägen der Stauraum. Ein Fass, dass fast voll ist, läuft eben viel schneller über als ein Fass, dass noch leer ist, wie eine intakte Aue, die wie ein Schwamm wirkt.... Auch am Rhein zeigte es sich: Mit dem Bau der 10 Staustufen erhöhte sich die Zahl der Hochwässer über 8m sprunghaft (Grafik).

    Bundesamt für Naturschutz: Die Baumaßnahmen von heute provozierten Schäden an der Elbe, die morgen nur noch eine Lösung übrig ließen: Staustufenbau.

    Der aber würde, wie das Bundesamt für Naturschutz schon im Jahre 2 001 veröffentlicht hat, dem Auwald an der Elbe und an der Saalemündung sogar stärker schaden als am Rhein. Gerade Auenwälder sind aber wichtig zur Speicherung großer Wassermengen, zum vorsorgenden Hochwasserschutz. Die FFH - Richtlinie der EU untersagt die Verschlechterung der Elbe und ihrer Auen. Auch gemäß der Wasserrahmenrichtlinie der EU ist der heute noch weitgehend gute ökologische Zustand zu erhalten. Nur naturnahe Flüsse garantieren langfristig eine gute Trinkwasserversorgung - das ist sinngemäß der Kern dieses europäischen Regelwerks.

    Dr. Ernst Paul Dörfler

     
    TERMINE

    Mo 30. Januar 2012, 18.00Uhr
    (Magdeburg, Dom)
    Treffen der BI Pro Elbe

    AUFRUFE

    Protest gegen Saale-Elbe-Kanal
    Moratorium für die Elbe
    Christinnen und Christen für die Elbe
    Künstler für die Elbe
    Mit Argusaugen die Flüsse beschützen!