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PRESSE-ECHO
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Bürgerinitiative PRO ELBE Magdeburg c/o Dr. Angela Stephan Rübeländer Weg 10 39118 Magdeburg E-Mail: elbe@domfelsen.de
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DER KAMPF UM DIE ELBE
Wegen der Flut könnte der letzte große deutsche Fluss seine Natürlichkeit behalten Von Eva Prase Dresden/Magdeburg. Hochwasserneutral. Das Wort benutzt Achim Pohlman oft. Etwa wenn er einen Vortrag hält über Baumaßnahmen an Binnenwasserstraßen. Pohlman ist Leiter der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost, ein Fachmann und Streiter für den Binnenwasserverkehr. "Nicht hochwasserrelevant" seien die Baumaßnahmen, die für die Elbe im Rahmen des Bundesverkehrswegeplanes vorgesehen waren. Maßnahmen, die nun nicht umgesetzt werden. Wegen der Flut. Geplant war, nach Darstellung Pohlmans, eine stabile Schiffbarkeit der Elbe auch bei Niedrigwasser herzustellen. Die Fahrrinne soll möglichst ganzjährig, also auch in trockenen Sommermonaten, eine Tiefe von 1,60 Metern aufweisen, und das auf 50 Meter Breite. Dazu müssten Buhnen, die vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden, auf etwa 25 Prozent der Gesamtstrecke erneuert werden. Zudem gab es an der Elbe ein 13 Kilometer langes Stück, auf dem noch keine Buhnen dafür sorgten, dass die Fahrrinne entsprechend tief war. Auf dieser Strecke, zwischen Dömitz und Hitzacker, sollten neue Buhnen gebaut werden. Außerdem war vorgesehen, den Domfelsen in Magdeburg ein Stück abzutragen. Doch nun wird nichts mehr abgetragen, erneuert und gebaut. Pohlman sieht dahinter eine politische Entscheidung. Denn während der damalige Bundesverkehrsminister Bodewig ihm noch kurz nach der Flut und vor der Bundestagswahl im September bescheinigt hatte, dass die geplanten Baumaßnahmen an der Elbe nicht hochwasserrelevant waren, galt das nach dem 22. September plötzlich nicht mehr. Im Koalitionsvertrag der neuen Regierung ist zu lesen, dass alle Ausbaumaßnahmen und in ihren Wirkungen vergleichbare Unterhaltungsmaßnahmen an der Elbe nicht umgesetzt werden. Pohlman hält das für übertrieben - und sieht schlechte Zeiten für die Schiffahrt auf der Elbe. Man habe die Häfen und Umschlagsanlagen in den vergangenen Jahren für rund 300 Milli0nen Euro verbessert. "Nun muss man den Fluss auch befahrbar halten, sonst hat man das Geld in den Sand gesetzt", argumentiert Pohlman. Zudem sei es erklärtes Ziel der rot-grünen Regierung, den wachsenden Gütertransport auf die umweltfreundlichen Wasserstraßen zu verlagern. Dies erreiche man nur, wenn die Schifffahrt planbar und wirtschaftlich gestaltet werden könne.
Umweltfreundlich ist Schifffahrt, wenn Schiffe in ihrer Größe dem Fluss und nicht der Fluss den Schiffen angepasst wird.
Wirtschaftlich? "Täglich wird auf der Elbe eine Fracht transportiert, die in zwei Güterzüge passt", sagt Ernst Paul Dörfler. Der promovierte Ökologe ist an der Elbe aufgewachsen und engagiert sich beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland für den Erhalt der Natürlichkeit dieses Flusses. "Umweltfreundlich ist Schifffahrt nur, wenn die Schiffe in ihrer Größe dem Fluss angepasst werden und nicht, wenn der Fluss nach den Bedürfnissen der Schifffahrt verändert wird", argumentiert Dörfler. Während Pohlman sagt, die Elbe sei seit über 200 Jahren ein Kulturfluss und unsere Ahnen hätten sich beim Flussausbau etwas gedacht, verweist Dörfler auf die Tatsache, dass sich der Fluss in der Vergangenheit ein bis zwei Meter tiefer in das Erdreich gegraben hat. "Durch das immer stärkere Einengen und Begradigen des Flusses erhöht sich die Fließgeschwindigkeit. Sand im Flussbett wird abgetragen. Der Strom gräbt sich immer tiefer in den Boden. Das Grundwasser sinkt. Es verschwinden die Flussauen, die natürlichen Speicher für Hochwasser. Die Menschen bauen Häuser, beackern das Land und wundern sich, wenn sie nasse Füße bekommen", zeigt Dörfler eine ökologische Folge von Ursache und Wirkung auf. Gegen die Behauptung, dass Strombaumaßnahmen "nicht hochwasserrelevant" seien, setzt er den Satz: "Jede Ursache hat eine Wirkung.". Schon heute fehlten der Elbe 85 Prozent ihrer einstigen Überflutungsfläche. Bei einem Hochwasser kann sie sich nur auf 15 Prozent der einstigen Fläche ausweiten. "Der Wasserspiegel steigt in ungeahnte Höhe", sagt Dörfler. Er ist sich sicher, wäre die Elbe unverbaut gewesen, hätte das Augusthochwasser bei gleicher Niederschlagsmenge einen deutlich niedrigeren Pegelstand aufgewiesen. Dörfler fordert ein Umdenken. Die Wasser- und Schifffahrtsbehörde, die mit rund 3000 Mitarbeitern im Osten Buhnen baute, Schotter an die Ufer brachte und Uferzonen ausholzte, müsse "verschlankt" werden. Das Geld, das in den Elb-Ausbau fließen sollte, gehöre in den Auenschutz. "Der Elbe müssen Überflutungsflächen zurückgegeben werden", erläutert Dörfler, was er unter Hochwasserschutz versteht.Es gebe hierfür schon gute Ansätze. So sollen bei Aken rund 500 Hektar und bei Roßlau etwa 140 Hektar, die größtenteils land- und forstwirtschaftlich genutzt werden, wieder Überflutungsgebiet werden. "Das ist ein langer Weg. Er kostet Geld, man muss die Eigentümer entschädigen. Aber wir stehen eben vor der Frage, ob wir die 200 Millionen Euro in einen weiteren Flussausbau investieren - oder in den Erhalt der natürlichen Flusslandschaft", nennt Dörfler die Alternativen. Um diese beiden Wege wird seit Jahren gestritten. Die Flut hat das Pendel zugunsten der Naturschützer ausschlagen lassen. Dörfler stellt zudem infrage, dass die Elbe als ganzjährig nutzbare Wasserstraße benötigt wird. Sicher, über Jahrhunderte war sie die Lebensader, die Zentraleuropa mit dem Meer, dem Handel und der Welt verband. Doch seit 1913, als etwa 18 Millionen Tonnen Güter verschifft wurden, gehen die Elb-Transporte zurück. Derzeit liegen sie bei vier Millionen Tonnen. Die Wende und der Rückgang der Altindustrien beschleunigten diesen Trend. Ihre Bedeutung als Wasserstraße ging nach und nach verloren. "Die Bahn wäre sofort in der Lage, die Güter, die auf der Elbe verschifft werden, zu transportieren", begründet Dörfler, warum der Elbausbau überflüssig sei. Zudem verweist er darauf, dass trotz des Milliarden schweren Ausbaus der deutschen Flüsse es nicht dazu gekommen ist, dass der auf dem Wasser transportierte Anteil der Güter gestiegen ist. 1960 seien 30 Prozent aller Güter auf dem Wasser verschifft worden. "Inzwischen liegt der Anteil bei 15 Prozent", sagt Dörfler. Sein Misstrauen gegenüber jenen, die die Wasserstraße ausbauen wollen, sitzt tief. Und es erscheint berechtigt. Er vermutet eine Salami-Taktik, fürchtet, dass der Elbe Stück für Stück ihre Natürlichkeit genommen werden könnte. "Es gibt keinen Fluss im Westen, der nur bis zu 1,60 Meter ausgebaggert wurde", sagt er und will nicht zulassen, dass die Elbe "so zugerichtet" wird wie der Rhein, die Mosel und die Donau. Dörfler: "Sie ist der letzte große deutsche Fluss, dem durch den Lauf der Geschichte, durch die deutsche Teilung, ein Stück Natürlichkeit geblieben ist. Das wollen wir bewahren. |