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Magdeburger Volksstimme vom 29.11.2004 MDR vom 06.11.2004 DDP-LSA vom 07.10.2004 Magdeburger Volksstimme vom 04.09.2004 Saechsische Zeitung vom 11.09.2004 taz vom 09.09.2004 Magdeburger Volksstimme vom 29.08.2004 taz Staustufen Elbe vom 05.04.2004
Pressemitteilung AP vom 13.05.2003 Spiegel vom 12.05.2003 Magdeburger Volksstimme vom 18.04.2003 Osterburger Volksstimme vom 19.03.03 Magdeburger Volksstimme vom 19.03.03 Berliner Zeitung vom 18.03.03 taz vom 26.02.03 Magdeburger Volksstimme vom 22.02.03
Freie Presse Chemnitz vom 10.02.03 dpa vom 29.01.03 Magdeburger Sonntag vom 27.10.02 Tagesspiegel vom 31.08.02 Magdeburger Volksstimme vom 31.08.02 Telepolis vom 20.08.02 Magdeburger Volksstimme vom 12.08.02 Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 03.08.02
Magdeburger Volksstimme vom 27.06.02 Sueddeutsche Zeitung vom 26.07.02 Magdeburger Sonntag vom 07.04.02 Magdeburger Volksstimme, Lokalanzeiger vom 23.03.02 Magdeburger Sonntag vom 05.02.02 Magdeburger Sonntag vom 09.12.01 Bild vom 14.11.01
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Bürgerinitiative PRO ELBE Magdeburg
c/o Dr. Angela Stephan Rübeländer Weg 10 39118 Magdeburg
E-Mail: elbe@domfelsen.de
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"BEHÖRDEN HABEN EKLATANT VERSAGT"
BUND-Experte Dr. Dörfler erhebt Vorwürfe und fordert ein länderübergreifendes Konzept für Hochwasserschutz
Lüneburger_Landeszeitung: Deutschland hat keine Lehren aus dem Jahrhunderthochwasser 2002 gezogen.
Denn den Flüssen wurde nicht wieder genügend Überflutungsflächen zurückgegeben.
Stattdessen läuft die Kanalisierung der Flüsse weiter, sagt Dr. Ernst Paul Dörfler,
Leiter des BUND-Elbeprojektes, gegenüber unserer Zeitung. Dörfler erhob zudem Vorwürfe
gegen die zuständigen Behörden, deren Prognosen für das Ausmaß des neuen Elbe-Hochwassers
schwerwiegende Fehler aufwiesen.
Ist nicht nur der Klimawandel, sondern auch die Hochwasserproblematik von Menschenhand angefacht?
Dörfler: Selbstverständlich. Schon seit Jahrzehnten werden die Flüsse
und das gesamte Einzugsgebiet der Flüsse stark verändert. Dies betrifft auch die Elbe.
Das entscheidende daran ist, dass die Elbe mehr als 80 Prozent ihrer natürlichen
Überflutungsauen verloren hat. Die Auen sind von der Natur "erfundene" Flächen,
die bei einem Hochwasser überflüssiges Wasser aufnehmen und zwischenlagern können.
Das funktioniert immer weniger in dem Maße, in dem die Auen durch Deichbau vom Fluss
abgeriegelt werden.
Hat Deutschland keine Lehren aus dem Jahrhunderthochwasser 2002 gezogen?
Dörfler: Das würde ich bejahen. Die bisherigen Maßnahmen waren einseitig rein technisch
ausgerichtet auf die Erhöhung von Deichen und Hochwasserschutzmauern. Zwei Hauptkritikpunkte:
Den Flüssen wurde nicht wieder genügend Raum, also Überflutungsfläche, zurückgegeben.
Zudem läuft die Kanalisierung der Flüsse weiter. So wird der Saale-Kanal weiterverfolgt,
und der leitet die Kanalisierung der Elbe zwangsläufig ein. Diese Kanalisierung bedeutet wieder
noch weniger Überflutungsräume, noch höhere und häufigere Hochwasser-Ereignisse
als in der Vergangenheit.
Was sollte sofort umgesetzt werden, um die Situation an der Elbe zu verbessern?
Dörfler: Als Erstes muss der Ausstieg aus der Flusskanalisierung politisch gewollt sein.
Die Flüsse dürfen nicht zu Wasserstraßen degradiert werden. Zweitens muss ein
länderübergreifendes Konzept für vorsorgenden Hochwasserschutz auf den Weg gebracht werden.
Hochwasserschutz allein zur Ländersache zu erklären, führt dazu, dass viele Maßnahmen nicht
oder nur zögerlich auf den Weg gebracht werden. Deshalb fordern wir vom BUND
mehr Bundeskompetenz, um ein Gesamtkonzept Hochwasserschutz mit dem Schwerpunkt
neue Überflutungsflächen zu schaffen.
Die Föderalismusreform sieht aber mehr Länderkompetenzen im Bereich Umweltschutz vor. Fürchten Sie damit einen Rückschritt?
Dörfler: Wenn die Fragen Naturschutz und Hochwasserschutz zu den Ländern delegiert werden,
und der Bund immer weniger Einfluss hat, ist das in der Tat ein fatales Signal,
eine falsche Weichenstellung. Ich hoffe sehr, dass dieses Hochwasser doch noch einmal wachrüttelt,
und gerade Hochwasser- und Naturschutz zur Bundeskompetenz erklärt werden.
Sind Auenprojekte und Landwirtschaft überhaupt miteinander vereinbar?
Dörfler: Das war in der Vergangenheit immer vereinbar. Das Problem ist nur,
dass sich Ackerbau und Hochwasserschutz nicht gut vertragen. Grünlandnutzung,
Wiesen- und Waldnutzung sind geeigneter. Dort kann das Hochwasser keinen großen Schaden anrichten.
Äcker hingegen können vom Hochwasser abgetragen und damit auch Agro-Chemikalien
in den Fluss eintragen werden. Letztlich ist es also eine Frage der Nutzungsart.
Landwirtschaft und Auenprojekte sind vereinbar, aber viele Landwirte wollen
nicht freiwillig von einem ertragreicheren Ackerbau auf Grünland umstellen.
Da muss es Entschädigungen oder zumindest Anreize geben, um diese Umstellung freiwillig
auf den Weg zu bringen. Dann haben wir wieder ausreichend Flächen. Denn die Elbe
hat noch relativ unbebaute Fläche im Gegensatz zum Rhein. Diese Flächen muss die Elbe
zurückbekommen, damit die Hochwasserstände sinken. Ansonsten werden wir immer wieder
diesen gigantischen Aufwand mit der Hochwasserabwehr treiben müssen.
Gerade in der Elbtalaue gibt es derzeit große Probleme für die Landwirtschaft. Im Deichvorland sind alarmierend hohe Dioxinlasten von der Flut 2002 nachgewiesen worden. Muss das Deichvorland für landwirtschaftliche Betriebe gesperrt werden?
Dörfler: Das ist eine Entscheidung, die von den zuständigen Behörden getroffen
werden muss. Wenn man zu dem Ergebnis kommt, das Risiko der Belastung ist zu groß,
gibt es dafür keine andere Lösung. Insgesamt muss man sagen, dass auch die
Dioxinbelastung ein Ergebnis unterlassenen Umweltschutzes in der Vergangenheit ist.
Dass sollte uns zu denken geben. Eine Missachtung von Umweltbelangen führt am Ende
oft zu sehr großen Schäden.
In Lenzen in der Prignitz läuft das größte Rückdeichungsprojekt Europas. Dort entsteht eine 420 Hektar große Auenlandschaft. Sind an anderen Stellen der Elbe solche Projekte überhaupt ohne Enteignungen durchsetzbar?
Dörfler: Es gibt noch ein zweites Rückdeichungsprojekt bei Dessau, dass mit 500 Hektar
noch größer ist. Das sind allerdings die beiden einzigen heißen Eisen, die wir
an der Elbe haben. Allgemein ist ein Rückbau machbar. Es dauert mit rund zehn Jahren
aber zu lange. Es muss zügiger gehen. Dazu muss es keine Enteignungen geben,
es kann über Entschädigungen oder Flächentausch geregelt werden. Letztlich haben wir
keine Alternativen. Wir müssen dem Fluss Flächen zurückgeben, sonst werden wir
mit immer höheren Wasserständen zu kämpfen haben. Und da werden uns noch höhere
Deiche auch nichts nützen
Sie haben anfangs erwähnt, dass die Elbe 80 Prozent ihrer ursprünglichen Überschwemmungsfläche verloren hat. Reicht ein Hochwasserschutzkonzept, das der Elbe ihre ursprüngliche Auenflächen in Deutschland zurückgibt, überhaupt aus angesichts der Ankündigung Tschechiens, Milliarden Euro in den Deichbau zu investieren?
Dörfler: Sehen Sie, genau das ist der Punkt. Wenn alle nur an sich denken,
eine Art Kirchturmpolitik betreiben und das Wasser möglichst schnell auf die Reise
schicken wollen, ist das keine tragfähige, zukunftsfähige Lösung. Wir müssen von
der Quelle bis zur Mündung und einschließlich jeden Nebenflusses nach Möglichkeiten suchen,
natürliche Rückhalteflächen zu reaktivieren. Wir brauchen gesunde statt kranke Wälder,
intakte Moore und Feuchtwiesen statt entwässerte Moore, natürliche Bach- und Flussläufe
statt begradigte Abflussrinnen. Das betrachte ich als einzige Alternative.
Das setzt aber einen politische Willen voraus, der auch anhält und nicht nur in
Hochwasserzeiten demonstriert wird. Wenn wir in den kommenden Jahren nicht handeln,
werden die Schäden so gigantisch sein, dass wir am Ende bedauern müssen,
diesen Aufwand nicht getrieben zu haben. Ein Aufwand, der natürlich Geld kostet,
Aber kein Hochwasserschutz wird uns noch sehr viel teurer kommen.
Sehen Sie Chancen auf eine staatenübergreifende Lösung, die von Brüssel aus gesteuert werden könnte? Oder ist dort die Umweltschutz-Lobby zu schwach?
Dörfler: Eigentlich brauchen wir ein europäisches Hochwasserschutzgesetz.
Die Lobby ist dort allerdings längst nicht so stark wie die, die Flüsse weiter zu Wasserstraßen
ausbauen möchte. Hier bedarf es dringend eines Umdenkens. Die Mittel sollten nicht
weiter in Wasserstraßenprojekte gesteckt werden, sondern in nachhaltige Hochwasserschutzprojekte.
Zugegeben, wir sind da noch ganz am Anfang in Brüssel. Aber jedes Hochwasser wird,
so vermute ich, dazu beitragen, die Umweltschutz-Lobby zu stärken. Das ist zumindest
meine Hoffnung. Und die lasse ich mir nicht nehmen.
Unter deutscher Führung wird derzeit in Südostasien ein Tsunami-Frühwarnsystem installiert. Das Ausmaß des aktuellen Elbehochwassers ist allerdings völlig unterschätzt worden. Warum tun sich Experten damit so schwer?
Dörfler: Was in Niedersachsen abgelaufen ist, halte ich für skandalös.
Hier haben die Behörden schlichtweg nicht ordentlich gearbeitet, haben die Situation verpennt.
Zu entwarnen statt zu warnen, halte ich für einen schwerwiegenden Fehler.
Gerade Niedersachsen hat sehr viel mehr Zeit, sich auf eine Hochwasserwelle einzustellen
als etwa Dresden. Hier liegt ein gravierender Fehler der Behörden vor, der meiner Ansicht nach
Konsequenzen haben muss.
Ist die Verstärkung der Deiche etwa in Sachsen und Sachsen-Anhalt seit 2002 auch ein Grund der Unterschätzung? Denn so hat sich der Kanalisisierungs-Effekt verstärkt und damit die Fließgeschwindigkeit der Elbe erhöht.
Dörfler: Natürlich, Sie haben völlig Recht. 2002 hat sich der Fluss mit aller Gewalt
Platz verschafft und an verschiedenen Stellen die Altauen zurückerobert.
Das war ihm jetzt nicht mehr möglich, weil fünf Milliarden Euro schwerpunktmäßig
zur Verstärkung und Erhöhung der Deiche eingesetzt worden sind, ohne im Gegenzug
für das Wasser zusätzliche natürliche Überschwemmungsflächen als Ausgleich zu schaffen.
Aber das wissen doch die Behörden, das war ihnen bekannt. Eine Erklärung,
eine Entschuldigung ist das nicht wirklich. Mir war klar, - und das habe ich auch schon
2002 und zu jedem Jahrestag gesagt - dass ein allein technisch ausgerichteter
Hochwasserschutz nur dazu führen wird, dass die Hochwasserwellen schneller und höher
auflaufen werden. Und genau das ist eingetreten. Die Problematik ist eigentlich
jedem bekannt, der mit gesundem Menschenverstand an die Sache herangeht.
Also: hier haben die zuständigen Behörden wirklich eklatant versagt.
Werner Kolbe
Lüneburger Landeszeitung vom 13.04.2006
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