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UNESCO PRÜFT MITTELELBE AUF HERZ UND NIEREN
Fachleute arbeiten Checkliste mit 40 Standards für Schutzgebiete ab
Magdeburger Volksstimme (dpa):Unesco-Experten überprüfen in dieser Woche
erstmals seit seiner Erweiterung das Biosphärenreservat Mittelelbe. Es gibt einige
knifflige Probleme zu begutachten.
Zerbst / Kapen ( am / dpa ). "Grundlage des Checks ist eine Liste mit 40 Standards,
die ein Biosphärenreservat erfüllen muss, beispielsweise die Erhaltung der Artenvielfalt,
den Schutz des naturnahen Ökosystems oder eine ökologisch verträgliche Landnutzung",
sagte der Leiter des Reservats, Guido Puhlmann, in einem dpa-Gespräch.
Das Biosphärenreservat Mittelelbe wurde im März 2006 auf die dreifache Fläche erweitert
und erstreckt sich in Sachsen-Anhalt rund 300 Kilometer entlang der Elbe.
Weitere 100 Kilometer des geschützten Areals liegen in den Bundesländern Niedersachsen,
Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. "Für Sachsen-Anhalt
ist der Titel Biosphärenreservat eine große Chance, weil er eine Art Gütesiegel
für eine bestimmte Landschaft ist, das nur von der Unesco vergeben wird", sagte Puhlmann.
Ein Teil des Biosphärenreservats, das rund 126 000 Hektar umfasst, ist das mit dem
Unesco-Welterbe-Titel ausgezeichnete Gartenreich Dessau-Wörlitz.
Hauptaufgabe sei derzeit die Umsetzung der Unesco-Kriterien nach der Erweiterung
des Gebietes. Puhlmann : "Das ist nicht leicht, weil viele Bereiche von der Wasser-,
Forst- oder Landwirtschaft bewirtschaftet werden oder relativ dicht besiedelt sind."
Generell gelte es, Kulturlandschaften zu schützen, behutsam zu entwickeln und dabei
das Miteinander von Mensch und Natur zu bewahren und zu fördern. Nur drei Prozent
der Reservatsfläche seien Kernzonengebiete, streng geschützte Bereiche. Dazu gehört
auch der Steckby-Lödderitzer Forst. "Dort ist keine Nutzung gestattet,
nach dem Prinzip : Die Natur Natur sein lassen", betonte der Umweltexperte.
Die touristische Vermarktung des Biosphärenreservats, so das Anlegen von
Wander- und Fahrradwegen, umweltbildende Öffentlichkeitsarbeit, die Unterhaltung
der Wasserstraßen in Zusammenarbeit mit den Schifffahrtsämtern und die Umsetzung
der Hochwasserschutzkonzeption seien die wichtigsten Ziele bei der Entwicklung
des Biosphärenreservats Mittelelbe in den kommenden Jahren, betonte Puhlmann.
"Von der Landschaft leben" laute das Arbeitsmotto. "Beim Hochwasserschutz
beispielsweise ist Sachsen-Anhalt europaweit führend, auch in puncto ökologisch
sensibler Lösungen bei der Wasserstraßenunterhaltung." Diese positiven Entwicklungen
gelte es weiter zu entwickeln. "Bezüglich Tier- und Pflanzenvielfalt hat das
Bundesland die besten und interessantesten Flussauen, die es in Mitteleuropa gibt."
Angesichts umstrittener Flussausbauvorhaben und Bauprojekte dürften Ergebnisse,
Hinweise und Schlussfolgerungen der Unesco-Prüfer von besonderem Interesse sein.
IHK Halle-Dessau und Wirtschaftsminister Rainer Haseloff fordern vehement
die ganzjährige Schiffbarkeit der Elbe. Haseloff bekräftigte dies erst unlängst
beim Neujahrsempfang des Wirtschaftskreises Dessau-Roßlau. Umweltschützer lehnen
den dafür erforderlichen Flussausbau oder gar Staustufen entschieden ab.
Gleiches gilt für einen Saale-Kanal, der das letzte Stück des Flusses bis zur
Einmündung in die Elbe umgehen und für Schiffe passierbar machen soll.
Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre sieht die Politik in der Verantwortung,
gegenüber der Wirtschaft eingegangene Versprechen einzuhalten, wie er gestern
in einem Radio-Interview erklärte.
Umstritten ist eine Brücke über die Elbe zwischen Steutz und Aken, mitten durchs Reservat.
Die Elbüberquerung ist eingebettet in die Maßnahme "Ortsumgehung Aken–B 184"
und steht im "erweiterten Bedarf" des Bundesverkehrswegeplans. Geplant sind für
die 15,8 Kilometer lange Strecke Investitionen in Höhe von 49,8 Millionen Euro.
Es ist damit eine der größten Einzelinvestitionen im Bundesverkehrswegeplan.
Mit einem Baubeginn wäre aufgrund knapper Kassen nicht vor 2015 zu rechnen.
Sie ist eingestuft als "Vorhaben mit festgestelltem hohem ökologischem Risiko".
Magdeburger Volksstimme vom 13.02.2007
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