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PRESSE-ECHO
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Bürgerinitiative PRO ELBE Magdeburg c/o Dr. Angela Stephan Rübeländer Weg 10 39118 Magdeburg E-Mail: elbe@domfelsen.de
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MAGDEBURGER VOLKSSTIMME, 31.08.2002
Leidet die Umwelt unter der Abfräsung des Domfelsens?
Magdeburg - Der Streit um den Elbausbau. In der Volksstimme kommen in einem Forum abwechselnd Befürworter und Gegner zu Wort. Heute bezieht der Chef des Magdeburger Wasser- und Schifffahrtsamtes Stellung. Der Rotehornpark trocknet nicht aus. "Nichts ist absolut wahr, und auch das ist nicht absolut wahr", sagte schon Multatuli (holländischer Schriftsteller). Im Streit um den Elbausbau ist das ähnlich. Hier prallen Meinungen und Wahrheiten aufeinander, denn hier geht es darum, einen Fluss auszubauen und zu bändigen. Rolf Lack ist Chef des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Seine Argumentations-Gegner: Dr. Ernst Paul Dörfler (BUND) und Dr. Angela Stephan (Pro Elbe). Während das Amt die Buhnen sanieren, Deckwerke erneuern und Felsen abfräsen will, fordert die Bürgerinitiative eine weitgehende Renaturierung des Flusses. Lack: "Dr. Dörfler behauptet, dass die Elbe in ihrer gesamten Länge erodiert. Unsere Messungen aber zeigen das Gegenteil. Unterhalb Magdeburgs sind um 1750 die Mäanderschleifen aus Hochwasserschutzgründen abgeschnitten worden, was zu einer Laufverkürzung und Fließgeschwindigkeitsverstärkung geführt hat. Reste dieser Mäander sind den Magdeburgern noch bekannt als Bademöglichkeit ,Zuwachs'." "Diese Zunahme der Geschwindigkeit hatte unterhalb Herrenkrug zu einer Erosion geführt, die unsere Väter durch Sohlschwellen wirkungsvoll bekämpft haben." Und genau diese Instandsetzung der Buhnen ist eine Unterhaltungsmaßnahme und bedarf keiner Umweltverträglichkeitsprüfung. Das aber fordert die Bürgerinitiative. Nächster Streitpunkt: Abfräsen von drei Felsen unter Wasser (Dom, Petriförder, Herrenkrug). Die Angst der Bürgerinitiative: Dadurch wird der Elbwasserstand sinken. Lack: "Es sind 28 Zentimeter, die nur bei Niedrigwasser in dieser Größe auftreten. Damit geht auch das Grundwasser mit dem Elbwasserstand nach unten. Da der Elbwasserstand aber ständig zwischen Niedrigwassern, Mittelwasser und Hochwasser schwankt, ist hier kein Dauerzustand vorhanden. Diese Eingriffe sind laut Gutachten ausgleichbar, es kommt zu keiner Vertrocknung des Rotehornparkes." Um die Auswirkungen wasserbaulicher Maßnahmen nachzuvollziehen, brauche man nicht so weit in die Vergangenheit zurückzugehen. Das Cracauer Wehr ist ca. 1860 gepflastert und 1938 rekonstruiert worden, um das Niedrigwasser in der Elbe zu stützen. Das Wehr wurde 1968 von Grund auf neu gebaut und erhöht. Lack: "Und wie hat die Natur damals auf diesen Eingriff reagiert? Die Alte Elbe hat heute bei niedrigen bis hin zu hohen Wasserständen eine üppige Vegetation. Schützenswerte Mandelweiden gedeihen hier gut, das Neunauge findet Laichplätze. Der Eingriff war damals sicher größer als das heute beabsichtigte Aufweiten des Flusslaufes am Domfelsen." Eine sehr wichtige Frage, so Lack, ist der Hochwasserschutz. Magdeburg hat mit dem Pretziener Wehr durch die Dreiteilung des Flusses in den Vorflutkanal, die Alte Elbe und Stromelbe einen sehr wirkungsvollen Hochwasserschutz erfahren. Lack: "Wenn das Pretziener Wehr nicht gewesen wäre, wäre nicht ein Scheitelwert von 6,7 Meter Magdeburg durchlaufen, sondern von 8,75 Meter. Jeder kann sich ausmalen, was das bedeutet hätte. Die Forderung ,Lasst der Elbe ihren Lauf' hätte für viele Menschen fatale Folgen." Von Henry Köhlert
Erwiderung vom 01.09.2002
Pro Elbe und BUND zu den Äußerungen des Leiters des Wasser- und Schiffahrtsamtes Magdeburg, Rolf Lack, gegenüber der Volksstimme
Strategie der Täuschung und Verharmlosung geht nicht auf
Baustopp durch Rot-Grüne Bundesregierung wird begrüßt
Rolf Lack gibt in seinem Volksstimme-Beitrag zu, dass die Flußbaumaßnahmen in der Vergangenheit zu einer Eintiefung des Flussbettes um bis zum 2 m geführt haben. Dieser als Tiefenerosion bezeichnete Prozeß führt langfristig zur Austrocknung und zum Verlust der wertvollen Elbauen, dies ist unstrittig. Die Tiefenerosion ist nicht überall gleich. Es gibt Strecken mit aktiver Tiefenerosion, vor allem auf dem 130 km langen Abschnitt Mühlberg/Sachsen bis Coswig/Sachsen-Anhalt sowie derzeit ruhende Strecken. Diese derzeit ruhenden Abschnitte können durch Eingriffe - auch durch Wiederherstellung eines früher vorhandenen Bauzustandes - wieder aktiviert werden (Aussage Guido Puhlmann, Leiter des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe) Diese Gefahr besteht vor allem im Raum Coswig-Wörlitz - Dessau (Weltkulturerbe der UNESCO) durch den Bau von Buhnen, Deckwerken und Leitwerken und im Abschnitt Magdeburg durch den geplanten Felsabtrag (Domfelsen bis zum Herrenkrugfelsen). Die Felsen stützen nicht nur den Wasserspiegel, sondern auch das Flussbett aus Sand. Fällt der Felsen, fällt die Elbe - und zwar zweifach. Der erste Abfall kommt sofort mit dem Felsabtrag - 28 cm. Der zweite Abfall kommt schleichend durch eine aktivierte Tiefenerosion im sich anschließenden Sandbett der Elbe. Diese Tiefenerosion kann bis zur Kreuzhorst und weiter reichen (Bundesamt für Naturschutz, Bonn, Dr. Alfons Henrichfreise). Eine frühere DDR-Studie, die die Folgen eines Abtrags des Domfelsens untersuchte, kam sogar zu dem Ergebnis, das die Auswirkungen bis in die Schönebecker Börde reichen und die Landwirtschaft in Trockenjahren nachteilig beeinflussen könnte. Lack gibt gegenüber der Volksstimme zu, dass frühere Flussbaumaßnahmen auch zu einer Verstärkung der Fließgeschwindigkeit geführt haben. Höhere Fließgeschwindigkeiten bringen aber aus Sicht des Hochwasserschutzes immer eine höhere Zerstörungskraft mit sich. Wenn Herr Lack jetzt die Sohlschwellen "unserer Väter" unterhalb des Magdeburger Herrenkruges lobt, dann ist die weitere Richtung klar: Nach der Schotterung der Flussufer soll auch mehr und mehr die Sohle durch Steinbauwerke befestigt werden. Eine Baumaßnahme zieht weitere Baumaßnahmen nach sich. Aus einem ehemaligen Sandfluss wird mehr und mehr ein steinernes Gerinne. Früher oder später kommen dann doch (notgedrungen!) die Staustufen, wie schon das Bundesamt für Naturschutz voraussagt. Das Wasser- und Schifffahrtsamt schafft sich seine Bauaufträge für die folgenden Jahrzehnte. Diese Entwicklung haben alle Flüsse im Westen genommen: Begradigen, Einengen, Kanalisieren und Staustufenbau. Jeder dieser Ausbauschritte hat die Hochwassergefahr verstärkt. Und jeder dieser Ausbauschritte kostet Geld, Steuergeld. Schon die derzeit offiziell geplanten Strombaumaßnahmen (Buhnen, Deck- und Leitwerke), einschließlich der Abtrag des Domfelsens kosten 200 Mio. Euro. Die Kosten übersteigen nach der UBA-Studie den Nutzen. Für jeden investierten Euro fließen nur 68 Cent zurück. Die Folgekosten sind allerdings noch gar nicht darin enthalten:
Lack verharmlost die Folgeschäden, indem er behauptet, die Grundwasserabsenkung sei "kein Dauerzustand": Auch ein Abfall des Wasserspiegels um 28 cm kann in trockenen Sommern zum Absterben des wertvollen, alten Baumbestandes führen. Wenn die Niedrigwasserzeit über drei und mehr Monate anhält, wie im Jahr 1999 und 2000, dann kann diese zusätzliche Absenkung des Grundwasserspiegels gerade im Sommer - wenn das Wasser von den Bäumen gebraucht wird - auf die grüne Vegetation vernichtend wirken. Lack behauptet, Pro Elbe und BUND wir wollten den "Flüssen freien Lauf lassen" und damit Menschen gefährden. Dies ist eine grobe Unterstellung. Richtig ist: Die Flüsse brauchen mehr Freiraum. Überall dort, wo noch unbesiedelte Altauen existieren, sind sie dem Fluss zurückzugeben. Damit werden die Hochwasserspitzen gesenkt und die besiedelten Gebiete können besser geschützt werden. Niemand hatte vor, das Umflutgelände östlich Magdeburgs mit dem Pretziener Wehr dem Fluss zu entziehen,wie Lack suggeriert. Im Gegenteil: Die Elbe braucht mehr solcher Entlastungsflächen. Dies meinen wir in erster Linie mit Renaturierung der Flusslandschaft. Darüber hinaus lehnen wir einen weiteren Verbau der Elbufer mit Schottersteinen ab: Er ist kontraproduktiv, ökologisch schädlich und volkswirtschaftlich unsinnig, wie vielfach von unabhängigen Sachverständigen nachgewiesen wurde. Zudem ist das Ausbauziel von 1,60 m Fahrrinnentiefe schon heute für die Schifffahrt wirtschaftlich nicht nutzbar. Der Hamburger Verein zur Förderung des Elbstromgebietes mit Sitz in der Handelskammer Hamburg fordert deshalb eine ganzjährige Tauchtiefe für Schiffe von 2,80m (Großes Rheinschiff mit 2.000 t Ladung) - dies entspricht einer Fahrrinnentiefe von 3,50m. Dazu müssten 12 Staustufen in der Elbe gebaut werden, die wiederum Auen zerstörten und natürliche Rückhalteräume für Hochwasser vernichteten. Dieser fatale Trend muss rechtzeitig gestoppt werden. Pro Elbe und der BUND begrüßen den durch die Rot-Grüne Bundesregierung nun verfügten Baustopp an der Elbe. Wir brauchen eine völlig neue, eine nachhaltige Flusspolitik. "Der Hochwasserschutz muss Priorität haben. Es darf nicht sein, dass Hunderte von Millionen Euro in den fragwürdigen Ausbau der Flüsse gesteckt werden, für den Hochwasserschutz aber fehlt das Geld", fasst Angela Stephan die gemeinsame Position zusammen. Dr. Angela Stephan Sprecherin BI Pro Elbe Magdeburg Tel.: 0391 622 44 11 E-Mail: elbe@domfelsen.de Homepage: domfelsen.de Dr. Ernst Paul Dörfler BUND-Elbeprojekt Fon/Fax: 039244-290 Funk: 0171 - 183 21 94 E-Mail: epd@gmx.de Homepage: www.elbe-insel.de |